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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

          

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Unter Wilhelm II war es (wohl) gar nicht so

Wie war es denn so. zwischen 1871 und 1918?

Eine entmythologisierende Geschichtsschreibung bietet mittlerweile ein solch facettenreiches Bild dieser Epoche, das die tradierten Bilder, die nachhaltig auch durch populärwissenschaftliche Sendungen des ZDF entstanden sind, in Frage gestellt werden müssen.

Die Wilhelminische Zeit, gemeinhin die Thronherrschaft unter Kaiser Wilhelm II, ist in seiner Widersprüchlichkeit geprägt durch die Widersprüchlichkeit des Kaiser´s selbst.

Der Kriegstreiberei, dem preußischen Militarismus, dem Untertanen Heinrich Manns’ oder der Obrigkeitsgläubigkeit des Hauptmann von Köpenick setzt John C.G. Röhl, überaus strenger Kritiker und Kenner von Kaiser Wilhelm II, ein Fazit von Staat und Gesellschaft entgegen, das den Aufbruch in die Moderne beschreibt:

.Die Ratgeber, mit denen er sich umgab, wirkten sich katastrophal auf ein Land aus, das blühte. Dieses Kaiserreich war damals der erfolgreichste Staat der Welt: wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell, auch in sozialreformerischer Sicht. Man bekommt Gänsehaut, wenn man bedenkt, dass dieses florierende Land mit seinen etwa 70 Millionen Menschen von einem solchen System geleitet wurde. (SZ im Interview mit dem britischen Historiker John C.G. Röhl, 04.06.2011).

 

„Einsteins Deutschland', wie Fritz Stern es genannt hat, war bereit, die Welt in der Lehre und in den Wissenschaften anzuführen. Es brachte großartige Werke der Literatur und der Musik hervor. Deutsch war die Sprache der Wissenschaft. Wer sich Hoffnungen auf eine Karriere in der Philologie machte, in der Philosophie, der Soziologie oder den Naturwissenschaften, war gut beraten, eine deutsche Universität zu besuchen. Die Deutschen waren das wohl kultivierteste Volk auf der Welt.

(David Fromkin: Europas letzter Sommer. München 2005, S. 85f.) Deutsche Nobelpreisträger

Als Zeitzeuge beschreibt Alfred Kerr 1899:

"Das Jahrhundert geht zu Ende. Mit jeder anbrechenden Nacht rückt der Punkt näher, wo wir die große Einkehr halten. Der Wahnsinn und die Glorie unserer Zeit steigen herauf, beide hart nebeneinander; die Größe und die Bestialität; der Fortschritt und der Servilismus; der machtvolle Gedanke der Freiheit, der Zauber technischen Könnens, die listige Lüftung stiller Elementargeheimnisse, die Verfeinerung und Erhöhung der Menschlichkeit, die Verbreitung der ethischen Idee – auf der anderen Seite die stärkste Machtanbetung aller Zeiten, zum mindesten die bewußteste aller Zeiten, die erste Philosophie der Machtanbetung, die Herrschaft des Säbels und noch über dem Säbel die Vergottung des Geldes." (Die Welt, 27.05.2006)

Wilhelm II und das Deutsche Reich lassen sich nicht auf einen Untertanen- und Militärstaat reduzieren, wenngleich der Kaiser mit seinen Paraden und Uniformenpomp wesentlich dazu beitrug. Eine Gesamtbetrachtung muss wesentlich differenzierter ausfallen.

Drei Artikel seien an dieser Stelle zum Einstieg für eine weitere Auseinandersetzung mit der Thematik „Kaiserreich“ empfohlen:

1. Deutschlands vergessene Blütejahre

2. Deutschlands großer Sprung nach vorn

3. Unter Wilhelm Zwo war es gar nicht so


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