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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

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                                                    Biografie                             eberlein       

Die Darstellung des LEBENS kann sich - im Hinblick auf die in Kürze erscheinenden Werke (Anm.: die Biografie Günther Kaerger ist 1983 erschienen, siehe Literaturverzeichnis) - hier auf die notwendigsten Fakten in der Form beschränken, dass nur die den Weg als Künstler beeinflussenden Umstände dargelegt werden.

Die prägende Kindheit erlebt der am 14.07.1847 als Sohn des schon mit Napoleon nach Russland gezogenen, "unternehmungslustigen" Grenzaufseher/Steuerbeamten* (Braunschweig / Hessen- Kassel) J.J. Eberlein (920) und der gläubigen Bauerntochter Margarethe Bein, die der Vater in zweiter Ehe geheiratet hatte, im abgeschiedenen "Hänflingsnest"
Spiekershausen (Staufenberg/ Nds.), einem damals 130-Seelen-Dorf an der Fulda zwischen Hann. Münden und Kassel.
*
Eberlein selbst spricht in seinem Akademie Lebenslauf vom Beruf des Steuerbeamten, tatsächlich waren die Bezeichnungen für diesen Berufzweig des Steuerwesens fließend: Grenzaufseher, Zollbeamter, Steuerbeamter (vgl. Troje, Fritz, Seite: 17ff)

Vom 8. bis 19. Lebensjahr hat es der junge Eberlein in der Kleinstadt Hann. Münden (um 1850)- sein Vater wurde hierher versetzt (Jugendhaus) - schwer, sich wegen seines künstlerischen Interesses mit den Gleichaltrigen zu verstehen. Er ist ein Außenseiter mit nur wenigen gleichgesinnten Freunden.

Nach der Lehre als Goldschmied in Hildesheim und einer Gesellenzeit in Kassel kann er durch die Förderung eines Pastors und eines Fabrikbesitzers (Schwanhäuser, 71) von 1866 - 1869 die Kunstschule in Nürnberg (August von Kreling) besuchen und hier ein Stipendium für die Fortsetzung als Hospitant an der Kunstakademie in Berlin gewinnen. 1869 wird Eberlein auf der Kunstausstellung in München mit Werken des 16 Jahre älteren Reinhold Begas "konfrontiert", - ein weiteres prägendes Erlebnis, wie er in "Meine Jugend- und Lehrjahre" schreibt (Literaturverzeichnis).

In Berlin ist Eberlein zunächst in den Ateliers von Afinger und Blaeser (924) beschäftigt. 1872 gewinnt er ein Stipendium für einen Romaufenthalt, - ein weiteres wesentliches Erlebnis. Michelangelo in Verbindung mit der "antiken" Landschaft und den Menschen Italiens ist fortan sein Leitbild.

"Hoffähig" wird Eberlein durch die (Liebes-) Heirat im Jahre 1873 mit Helene von Frankenberg (925, 926). Allerdings lebt das Ehepaar bis um 1880 in Berlin in bitterster Not (842). Gefördert wird Eberlein in dieser Zeit vor allem durch den Architekten Martin Gropius, der ihm 1874 im Keller der Kunstgewerbeanstalt (Preußen-Ausstellung 1981) einen Raum für Bildhauerarbeiten kostenlos zur Verfügung stellt.

1882 trifft Eberlein ein schwerer Schicksalsschlag, als der 3-jährige Sohn "Anzio" (922, 923) stirbt (vgl. hierzu Berlin Institut). Zusammen mit dem Tod der geliebten Mutter (1888) führt dieses zu einem "Schub" der Mutter-Kind-Darstellungen und zu christlichen Werken.
1891 wird die erste Ehe geschieden. 1892 heiratet Eberlein die Gräfin Maria von Hertzberg, eine junge Künstlerin (449, 935).

Von 1890 bis 1914 hat Eberlein - vor allem durch die Vielzahl der Hohenzollern- und Großdenkmäler (Wagner, Goethe) - künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg.
1887 als Mitglied in die Akademie der Künste (Lebenslauf Akademie) aufgenommen, wird er 1893 zum Professor ernannt. Ein Kaiserbesuch, ein Bericht darüber ist bei Alfred Kerr nachzulesen, findet mehrfach im Atelier am Lützowufer statt. Die Presse berichtet ständig über den Fortgang seiner Arbeiten.

In Hann. Münden errichtet er - jeweils "oberhalb der Stadt" - zwei Wohnsitze (Eberburg, Weserkastell, II). Im Schloss baut er auf eigene Kosten Räume zu einem damals viel besuchten "Eberlein-Museum"(vgl. Neuordnung des Heimatmuseums Hann.Münden - Auflösung des Museums 1938) um (III). Heute ist es nur noch ein Torso (IV, V). Auf der Eberburg hat er ein Atelier, in dem er - neben Berlin und Rom - unentwegt arbeitet (I).

Auf die "innere" Krise, die durch die ihn verletzende Zurückweisung einiger Werke aus der Großen Berliner Kunstausstellung 1900 (nachdem ihm noch 1897 eine Sonderausstellung eingeräumt war, V) verursacht wurde, weil er sich mit einem naturalistischen, Meunier und Rodin angenäherten Stil in den Gegensatz zur Staatskunst setzte, wird später noch einzugehen sein.

Seit 1904 kann er in Deutschland nur noch wenige größere Aufträge gewinnen; dafür bieten ihm Nord- und Südamerika ein weites Beschäftigungsfeld (u.a. Nationaldenkmal Argentinien, 215).
Seine zweite Scheidung 1912 und die Abneigung gegen Krieg führen zu Auswanderungsplänen (Versteigerung seines nahezu gesamten beweglichen Besitzes 1913, X). Diese kommen jedoch nicht mehr zum Zuge, zumal Kommerzienrat Woog, (vgl. Elisabeth Kraus, S. 34) Berlin (180), in Bingen/Rhein ein "Eberlein-Museum" finanziert hatte, das jedoch wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr bezogen wird.

Während des 1. Weltkrieges zieht sich Eberlein vor allem zur Erarbeitung von Kolossalreliefs in das Berliner Atelier (VI, VII), das er zum Museum ausbaut, zurück, porträtiert daneben noch eine Vielzahl hoch gestellter Persönlichkeiten.

In der Nachkriegszeit entgeht Eberlein - relativ verarmt (1) - nur durch die Fürsorge des von ihm als Tochter angenommenen Hausmädchens und einiger Verwandter dem Ruin.
Er ist nach Kriegsende nahezu zwangsläufig der Anfeindung vieler Kritiker ausgesetzt, die dem Bildhauer vorwerfen, zugleich Marx (514) und den abgedankten Kaiser (184) dargestellt zu haben. Eberlein kommt so persönlich und künstlerisch immer mehr in einen Konflikt mit seiner Umgebung (2).

Er stirbt, am 05.02.1926 verbittert und im Gefühl verkannt worden zu sein, 79-jährig fern von seinem geliebten Hann. Münden. Sein Grab besteht nicht mehr (Anm.: Seit 1990 auf Betreiben der Gustav-Eberlein-Forschung e.V. Ehrengrab (3) neben der Frauenrechtlerin Minna Cauer auf dem Alten St. Mätthäikirchhof in Berlin, Schöneberg).
Noch heute in Berlin lebende Bekannte von Eberlein (Anm.: Sie sind inzwischen verstorben.) schildern ihn als nicht sehr groß, oft kränklich, ehrgeizig, von der Arbeit besessen und doch kontakaktfreudig, gebildet, vornehm, zurückhaltend, auch zu einfachen Mitarbeitern kollegial, tolerant und sehr gutmütig.

Eberlein als Menschen kann man am besten aus seinen Gedichten und der Prosa, die - wie auch seine anderen Werke - immer einen Bezug zu inneren und äußeren Geschehnissen hatten, kennenlernen. Mit dem Brand des Ateliers auf der Eberburg in Hann. Münden sind 1932 bedauerlicherweise fünf umfangreiche, unveröffentlichte Manuskripte mit Lebenserinnerungen untergegangen.




(1)

vgl. Christian Maus: Der ordentliche Professor und sein Gehalt    hier: S. 97ff, Bezüge und Pensionen von außerordentlichen Professoren ohne Lehrauftrag. Auch die Pension eines "nicht ordentlichen Professors" überstieg das Jahreseinkommen eines Arbeiters um ein Vielfaches.

(2)

siehe hierzu: .Kunstgeschichte - klasische Moderne;-Bundesamt für politische Bildung: Bürgerliche Kultur und ihre Reformbewegungen; Obrigkeitsstatt; Nation und Nationalismus

(3)

"Die Ernennung zur Ehrengrabstätte für Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten erfolgt durch Senatsbeschluss frühestens fünf Jahre nach dem Tod für einen Zeitraum von zunächst 20 Jahren." Seit Januar 2016 kein Ehrengrab mehr....

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