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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

         

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Gustav Eberlein


Scherben,
Zustand der Gipsoriginale 1982 im Magazin des Museums Hann. Münden.
(Bild: Grimm)

dornauszieher Dornauszieher,
Eberleins Durchbruch 1879, Museum Hann. Münden, entging der Zertrümmerung.
(Repro: spontan)

Eberleins Erbe in den wilden 60ern
Kurzreferat der Eröffnungsveranstaltung
von Prof. Rolf Grimm zur Ausstellung nahezu aller im Museum Hann. Münden vorhandenen Skulpturen und Gemälde des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Eberlein (1847 Spiekershausen bei Münden - 1926 Berlin) vom 12.7. - 14.9.1997 im Welfenschloß zu Münden.

Große Teile des Werkes zerstört

In der Eröffnungsveranstaltung berichtete Prof. Rolf Grimm, Vorsitzender der Gustav-Eberlein-Forschung e.V., anhand von Diapositiven über die Bergung und Restaurierung der 1982 von dem Verein auf dem Dachboden über dem Museum im Schloß als Fußbodenpacklage aufgefundenen Gipstrümmer von Originalmodellen sowie von beschädigten Gemälden des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Eberlein.

Hier kann in einer reich bebilderten Veröffentlichung über die Bergung und Restaurierung nachgelesen werden.

Der in Spiekershausen (Staufenberg/Nds.) geborene Maler und Bildhauer Prof. Gustav Eberlein, zur "Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts" gehörend, hatte seit 1894 im Schloß seiner Heimatstadt Hann. Münden eines der größten Künstlermuseen im damaligen Preußen auf eigene Kosten eingerichtet und die Skulpturen und Gemälde der Stadt Hann. Münden unter der Bedingung geschenkt, dass
 sie erhalten bleiben müßten und dass
 Abgüsse nur unter staatlicher Aufsicht erfolgen dürften
, wie ein Brief Eberleins an die Stadt vom 11.8.1894 belegt. Es handelte sich um kostbare Originalgipse, die vom Tonmodell abgenommen waren und die dann als Vorlage oder Form für die Herstellung von Marmor- und Bronzestücken dienten. Die meisten dieser Gipsmodelle waren unersetzliche Unikate.

Im Museum Münden wurden viele dieser Werke schwer beschädigt oder kamen abhanden.

Restauriert: Eva an der Leiche Abels (Bild: Grimm)

Die jetzt ausgestellten Werke stellen höchstens ein Drittel der ehemals im Museum vorhandenen Skulpturen und Gemälde dar. Vernichtet sind überwiegend die größeren, teilweise überlebensgroßen Skulpturen, wie Fotoaufnahmen des Museums im Jahr 1898 und 1931/37 sowie die Museumskataloge von 1905 und 1931 bestätigen.


Trümmer in Wanne Geborgene Trümmer in Spiekershausen, nicht restaurierbar.
(Bild: Grimm)


Skulptur Jesus und die Kinder Jesus mit den Kindern, restaurierte Skulptur, ehemaliger Standort in St. Blasius, Hann. Münden.
Abgegeben an die Dorfkirche in Spiekershausen, 1968 dort zerschlagen.
(Bild: Grimm)


Prof. Grimm ging auf die Umstände der in dieser Form beispiellosen "Mündener Kunstvernichtungsaktion" ein. Über die rd. 190 im Museum Münden zur Zeit vorhandenen Skulpturen und Skulpturenreste sowie 11 Gemälde hinaus ist ein Großteil der Skulpturen und Gemälde verschollen bzw. auf Müllhalden in Meensen bei Göttingen und Hann. Münden gelandet.

Ursache der Schäden

Die größten Verluste mußte das Museum hinnehmen, als im Frühjahr 1960 bei der Erneuerung des Fußbodens im Dachraum des Schlosses durch das städtische Bauamt eine Vielzahl von überwiegend sehr qualitätvollen Skulpturen, die im Wege standen, entfernt und andere zu einer Fußbodenpacklage zerkleinert wurden. Über diesen Vorgang liegt ein Aktenvermerk des Nieders. Landeskonservators vom 20.12.1960 vor, der die diesbezüglichen Aussagen des damaligem Museumsleiters, der seine Unschuld beteuert, enthält. Es heißt dort wörtlich:
Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, dass
 der Dachraum in der letzten Zeit einen neuen Fußboden aus Holzbrettern erhalten hat. Da die Neuverbretterung noch nicht abgeschlossen ist, konnte bemerkt werden, dass
 als Füllmaterial zwecks Isolierung Gipsbrocken verwendet wurden. Einige Gipsmodelle sind noch im Dachraum vorhanden, die aber durch mutwilliges Abschlagen einzelner Teile durchweg schwer beschädigt sind. Der Museumsleiter, Konrektor i.R. Voigt teilte auf Befragen mit, dass
 diese Maßnahmen ohne sein Wissen wohl im Frühjahr 1960 bei der Erneuerung des Fußbodens im Dachraum durch einen Angehörigen des Stadtbauamtes Hann. Münden angeordnet waren. Im Dachraum waren die nicht im Heimatmuseum ausgestellten zahlreichen Gipsmodelle Eberleins magaziniert.

Das "Scherbengericht" im Dachraum (Bild: Grimm)

Auch noch nach 1960 sind mit großer Wahrscheinlichkeit Skulpturen vom Dachboden "entfernt" worden. Unter anderem fand Prof. Grimm zwischen den Gipsbrocken, neben denen auch Reste von zerschlagenen Mündener Fayencen lagen, eine Bildzeitung vom 24.5.1967.

Ein Teil der Skulpturen war in eine stillgelegte Zellulosefabrik in Hann. Münden (Schulzenrode), welche die Stadt am 12.7.1961 angekauft

 

hatte und deren Gelände seit 1958 als Deponie für Hausmüll und Bauschutt genutzt wurde, ausgelagert worden. Dort ebnete man die Kunstwerke bei dem Abriß des Magazingebäudes 1968 mit ein. In einem Artikel des Göttinger Tageblattes vom 8.1.1964 heißt es:
Bei einem Besuch in den Räumen der alten Cellulose-Fabrik in Schulzenrode fiel der Blick auf einen Stapel von Werken der Bildhauerei. Es war ein Großteil der Werke von Eberlein. Wirr lagen und standen die mehr oder weniger beschädigten Werke herum, der weiteren Zerstörung ausgesetzt. Sind sie wirklich so uninteressant und wertlos?

In einem Artikel des verstorbenen Mündener Ortsheimatpflegers Dr. Brethauer in der Mündener Allgemeinen vom 29.6.1969 sind Reste von in der Zellulosefabrik gelagerten, beschädigten Gipsgruppen abgebildet, darunter Teile der Gruppe "Friedrich der Große stirbt in den Armen des Grafen von Hertzberg" und Teile vom (1.) Wettbewerbsentwurf zum Richard-Wagner-Denkmal im Berliner Tiergarten.

Zwischen 1972 und 1975 "rettete", wie Prof. Dr. Peter Bloch es gegenüber Prof. Grimm nannte, die Skulpturengalerie Berlin drei qualitativ hochstehende Original-Gipsskulpturen und zahlreiches Zeichen- und Textmaterial, mit ziemlicher Sicherheit auch Gemälde. Während im Museum Hann. Münden noch kein einziges Werk von Gustav Eberlein inventarisiert ist, wurde dieses in Berlin mit dem aus Münden verbrachten "1. Entwurf zum Goethedenkmal in Rom" getan (Inv.Nr. SKG 22/72). Die ebenfalls aus Münden stammende Gipsgruppe "Venus fesselt Amor" war bis zur Schließung der Abteilung in der Skulpturengalerie in Berlin-Dahlem ausgestellt. Heute befindet sie sich im Magazin der Alten Nationalgalerie. Ein Teil des Materials, das 1975 von dem Kunsthistoriker Dr. Dreyer mit der Spedition Dörnte nach Berlin verbracht wurde, unter anderem das Gipsoriginal zur Gruppe "Venus züchtigt Amor", befindet sich heute leider in Privathand in Krefeld und Berlin. Es sollte von der Stadt Hann. Münden möglichst bald zurückgefordert werden. Dieses gilt ebenso für den Torso einer Portraitbüste Kaiser-Wilhelm-II, der 1979 aus dem Museum nach Krefeld transportiert wurde. Der Kopf dieser Büste wurde in Münden im Schutt gefunden und restauriert.

Prof. Grimm trat mit seinen Ausführungen ganz entschieden der in der "Mündener Allgemeinen" am 28. Juni 1997 getroffenen Aussage des Leiters des Archivs und des Museums entgegen, der ausgeführt hatte:
Bei Kriegsende 1945 und kurz danach erlitt das Museum erhebliche Verluste, die es in die Reihe der am meisten betroffenen niedersächsischen Museen brachten.
(s. Museumsgeschichte und Göttinger Tageblatt v. 18. 7. '97).

Zumindest Kunstwerke Eberleins sind nach der Darlegung von Prof. Grimm nicht im Kriege beschädigt worden oder abhanden gekommen, für die zahlreichen anderen Kunstschätze und archäologischen Funde, die heute vermißt werden, hält er es für sehr unwahrscheinlich.

Schon in einem ganzseitigen, bebilderten Artikel in der Mündener Allgemeinen vom 2.3.1972 mit der Überschrift Unwiederbringlich verloren – Die Werke Gustav Eberleins war über die "Verluste" im Museum Münden spekuliert worden:
Sicherlich ist es nicht abwegig, dass
 den Siegern von 1945 die Büsten deutscher Heerführer und Kaiser ein Dorn im Auge waren und sie den deutschen Militarismus auch im Bild ausrotten wollten, wobei sie das Zerstörungswerk dann auf "harmlose" Figuren ausdehnten. Merkwürdig erscheint allerdings die Tatsache, dass
 diese Soldaten das eigentliche Museum verschonten und sich nur an die im Dunkel auf dem Dachboden stehenden Werke hielten.

Der Artikel schließt mit den Worten:
Eine Wiederherstellung soll wegen der starken Beschädigungen unmöglich sein, da die Gesichtszüge irreparabel verdorben sind. Vielleicht unternimmt man doch noch einen letzten Versuch?

Restaurierung

Dieser Versuch wurde unternommen. 1982 wurden in einer Art "Geheimaktion" von Mitgliedern der Gustav-Eberlein-Forschung die ersten Bodendielen auf dem Dachboden des Museums im Schloß aufgenommen. Dieses wertete das Staatshochbauamt Göttingen als Sachbeschädigung. 1983 nahm sich dann die Stadt Hann. Münden organisatorisch der Sache an, nachdem der Gustav-Eberlein-Forschung ein Zuschuß in Höhe von DM 2000,- vom Nieders. Ministerium für Wissenschaft und Kultur für die Bergung der Scherben in Aussicht gestellt war. Prof. Dr. Arndt und Prof. Dr. Herzog unterstützten die Arbeiten mit der kostenfreien Erstellung von Gutachten.

Zwischen 1983 und 1993 konnten unter der Leitung von Prof. Grimm von den Restauratoren Erhard Joseph, und Bernd Eger, den Kunsthistorikerinnen Ute Hoffmann und Heidi von Pein sowie Herrn Kaerger und ihm selbst insgesamt 69 Skulpturen der auf dem Dachboden beschädigt aufgefundenen Werke, teilweise mit einem Gewicht von bis zu 8 Zentnern, sowie 10 Gemälde durch den Restaurator Manfred Lausmann wiederhergestellt werden. Reste von 92 Skulpturen wurden gesichert und zum Teil für eine Restaurierung vorbereitet. Die sitzende Figur eines "sinnenden Bismarck, für die im Museum Münden verständlicherweise kein Platz war, ist heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin neben dem Bamberger und dem Magdeburger Reiter aufgestellt. Im Museum Hann. Münden ist vorgesehen, einige wenige Werke statt wie bisher im Eingangsgeschoß neben dem Foyer in Form von Wechselausstellungen im "Basement" zu zeigen. Nach Jahren der Odyssee wird der Hauptteil der restaurierten Skulpturen und Gemälde nach dem Ende der gegenwärtigen Ausstellung in einem nun fachgerechten Magazin außerhalb des Museums eingelagert.

Die meisten der Skulpturen sind im Werkverzeichnis abgebildet (Grimm, 1983, Neuauflage 1997). Die Veröffentlichung mit über 600 Abbildungen, rd. 1000 Werknummern sowie einem umfangreichen Literaturverzeichnis ist z. Zt. nur über den Verfasser erhältlich.

Der Wert der durchgeführten Arbeiten betrug rd. 630.000,- DM. Die Kosten wurden überwiegend durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und durch das Kulturelle-Zonenrandföderungs-Programm (KZP) gedeckt. Die Sparkasse finanzierte im Verbund mit der Nds. Sparkassenstiftung die Restaurierung des 7x3 m großen Ölgemäldes "Die Macht des Meeres", das heute im Rittersaal des Schlosses hängt. Einen Anteil im Wert von rd. 130.000,- DM brachten Prof. Grimm mit 2.800 und Herr Kaerger mit 600 Arbeitsstunden in der Restaurierungswerkstatt für die Gustav-Eberlein-Forschung e.V. ehrenamtlich ein. Die Stadt Hann. Münden beteiligte sich mit rd. 90.000,- DM. Den Hauptanteil trugen der Bund und das Land Niedersachsen, - "korrekterweise" die Steuerzahler.

Im Anschluß an das Kurzreferat von Prof. Grimm sowie an ein Grußwort der Nieders. Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Frau Helga Schuchardt, sprach Frau Dr. Susanne Kähler, Lübeck, (Dissertation: Deutsche Bildhauer in Paris ... , ISBN 3-631-30649-0) über "Gustav Eberlein und die Bildhauerkunst zwischen Deutschland und Frankreich".

 

Selbstporträt als Relief von Eberlein

Selbstportrait
(Repro: spontan)

Hemmingen, 14.07.1997
gez. Rolf Grimm
Siecum 9, 30966 Hemmingen


  grimm 13.06.2013 © spontan 02.10.1999

 

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