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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

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Goethe bei der Betrachtung von Schillers Schädel

Goethe und Schillers Schädel
(Repro: spontan)
Goethe am Meer
"Goethe am Meer" bzw. "in Rom"

(Repro: spontan)


(Repro: spontan)Mehr Licht, Goethes Ende/Tod


Eberlein, ein
glühender Verehrer
Goethes

Zu den bekannteren und wohl am meisten beschäftigten Bildhauern der "Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts"


von  ROLF GRIMM

gehörte Gustav Eberlein (geb.1847 in Spiekershausen bei Hann. Münden; gest. 1926 in Berlin). Von ihm stammen, überwiegend abgebildet im Werkverzeichnis, über 700 Skulpturen und ca. 300 Gemälde. Neben seinen Amor-Psyche-Gruppen in der Art von Reinhold Begas, Portraitbüsten und Werken mit christlichen Themen stammen von ihm viele Denkmäler, u.a. das Goethe-Denkmal im Rom (1904), das Richard-Wagner-Denkmal in Berlin (1903) und das Nationaldenkmal von Argentinien in Buenos Aires (1914).

Das "Thema Goethe" hat Eberlein schon seit seiner Jugendzeit interessiert.

Für das Goethe-Denkmal in Rom schuf er zwei Fassungen. Die kleinere mit der Bezeichnung "Goethe am Meer" (seit 1975 in der Alten Nationalgalerie in Berlin) hat das Gemälde von J.H.W. Tischbein "Goethe in der Campagna" zur Grundlage, die größere und ausgeführte befindet sich im Museum in Hann. Münden (Lagerung im Bauhof!). Eine Kolossalskulptur "Der sterbende Goethe – Mehr Licht!" ist verschollen.

Die abgebildete, 1897 von Gustav Eberlein ohne Auftrag geschaffene Büste "Goethe bei der Betrachtung von Schillers Schädel" aus Carraramarmor, die sich im Besitz des Museums Weimarer Klassik befindet, mutet seltsam an. Sie zeigt Goethe mit einem Totenschädel in der Hand, den er nachdenklich betrachtet. Am Sockel der 1,10 m hohen Büste ist eingemeißelt: "Goethe bei Betrachtung von Schillers Schädel: Geheim Gefäss, Orakelsprüche spendend. Wie bin ich wert, dich in der Hand zu halten!"

Es ist eine Passage aus dem Gedicht Goethes aus dem Jahre 1826 "Im ernsten Beinhaus wars...."

Tatsache ist, dass Goethe den Schädel Schillers aus dem Weimarer Beinhaus nahm, als die Särge aus dem Gewölbe, in dem Schillers Leiche lag, entfernt werden sollten.


Er stellte ihn auf seinen Schreibtisch. Ob es der richtige war, ist nicht erwiesen. Die Beisetzung Schillers soll so konfus verlaufen sein, dass später 23 in Frage kommende Hirnschalen gefunden wurden. Die Anregung, die Echtheit von Schillers Schädel mittels Genprobe festzustellen, wurde von der Stiftung Weimarer Klassik abgelehnt, so berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. März 1999.

Der Stiftung scheint diese Angelegenheit ebenso ungelegen zu sein, wie auch die Feststellung, dass der Goethe, der Heroe, "nur" eine Körpergröße von 1,69 m hatte. Dieses hatten Wissenschaftler der DDR im November 1970 festgestellt. Jürgen Seifert, Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, hat auf die Veröffentlichung des Protokolls in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im März 1999 erschrocken reagiert: "Das wird Goethe nicht gerecht! Der Bericht sei zwar nicht geheim, aber Verschlußsache" gewesen. Aus Gründen der Pietät hätten alle beteiligten DDR-Wissenschaftler 1970 Stillschweigen vereinbart, so gibt die Neue Presse Hannover den Bericht der FAZ am 19.03.1999 wieder. Schon im Dritten Reich hatte man zu verheimlichen versucht, dass Heinrich der Löwe, auch ein Heroe, ein eher "kleinwüchsiger" Mann war. Als ob Körpergröße etwas mit der Genialität eines Menschen zu tun hätte! Es paßt nicht "ins Bild".

Ist die mangelnde "Pietät" Eberleins, der sich die künstlerische Freiheit zur Gestaltung herausnahm, der Grund, warum die Marmorbüste "Goethe mit Schillers Schädel" im Fundus des Museums Weimarer Klassik ruht und bisher - soweit bekannt - nicht ausgestellt wurde? Eberlein war sicher von dem Ereignis der "Begegnung" zwei ganz Großer und dem Sichtbarwerden des körperlich, aber nicht geistig Vergänglichen fasziniert.

Zu sehen war die Büste 1898 als Gipsmodell in der Großen Berliner Kunstausstellung und in der Münchner Internationalen Kunstausstellung sowie 1905 als Marmorfassung in Berlin. Das Gipsmodell war im ehemaligen Eberlein-Museum in Hann. Münden 1931 noch vorhanden, ging dann aber, wie so viele Werke von ihm, verloren. Es fanden sich 1981 nicht einmal Gipsscherben in der Fußbodenpacklage des Dachbodens über dem Museum, so dass eine Restaurierung mit Hilfe der Gustav-Eberlein-Forschung e.V., wie bei einer Vielzahl anderer Werke Eberleins, nicht mehr vorgenommen werden konnte.

Quelle
Eberlein: Das Goethe Monument ...

 

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