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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

         

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Eberleins Goethe-Denkmal in Rom


         
[Goethe-Statue] [Entwurf] [Mignon] [Iphigenie] [Mephisto]  

Totale vom Goethe-Denkmal in Rom

(Repro: spontan)

Lyrik, Drama, Philosophie
Ein Beitrag zum Goethe-Jahr 1999

Eberleins Goethe-Denkmal steht in Rom auf dem Pincio am Viale Goethe vor der Villa Borghese nahe der Piazza del populo, - dem


VON ROLF GRIMM

Platz, über den Goethe auf seiner "Italienischen Reise" zum ersten mal Rom betrat.

Das 9 Meter hohe Monument aus weißem Carraramarmor war ein Geschenk Kaiser Wilhelm II an die Stadt Rom anläßlich seines 43. Geburtstages am 27. Januar 1902.

Es wurde am 5. August 1904 im Beisein des italienischen Königs Vittorio Emanuele II und natürlich des Bildhauers mit seiner Frau (s. Abb.unten) enthüllt. Der Deutsche Kaiser ist nicht anwesend, da er dokumentieren wollte, dass das Denkmal ein Geschenk des deutschen Volkes sei.


Einweihung Goethe Denkmal in Rom 1904
Enthüllung des Goethe-Denkmals 5. 8. 1904 in Rom.

(Repro: spontan)


Goethe

(Repro: spontan)


Entwurf Straßburg
Wettbewerbsentwurf für Straßburg

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(Repro: spontan)


(Repro: spontan)


Das Denkmal ist in Teilen beschädigt. Eine grundlegende Restaurierung  zusammen mit einer Schutzschicht aus Feinwachs erscheint dringend geboten.

Gustav Eberlein (geb. 1847 in Spiekershausen bei Hann. Münden, gest. 1926 in Berlin) war mit der Ausführung des Werkes ohne Wettbewerb direkt vom Kaiser beauftragt worden, sehr zum Unmut vieler Künstlerkollegen. Eberlein gehörte zu den bekannteren und wohl am   meistenbeschäftigten Bildhauern der "Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts". Von ihm stammen über 700 Skulpturen und ca. 300 Gemälde. Neben seinen Amor-Psyche-Gruppen in der Art von Reinhold Begas, Portraitbüsten und Werken mit christlichen Themen stammen von ihm viele Denkmäler für die Hohenzollern, für andere Herrscher und "Geistesgrößen", u.a. für Goethe im Rom (1904), Wagner (1903) und Lortzing (1906) in Berlin sowie Laube in Sprottau. Auch das Nationaldenkmal von Argentinien (1914) sowie weitere 6 Denkmäler in Buenos Aires und Santiago de Chile hat er geschaffen.


In Straßburg nur 2.

Eberlein war von Jugend an ein glühender Verehrer Goethes. Ohne einen Auftrag erhalten zu haben, schuf er 1897 zwei Fassungen der Büste "Goethe bei der Betrachtung von Schillers Schädel". 1900 gewann er bei dem Wettbewerb für das Goethe-Denkmal in Straßburg nur den 2. Preis. Er war über die Entscheidung zutiefst empört, denn nicht nur er hielt seinen Entwurf für den besseren.

So hat er wohl deshalb die Idee zu einem Goethe- Denkmal für Rom an den Kaiser herangetragen, wie er 1919 bekennt. Zunächst formte er als ersten, noch kleineren Entwurf die Skulptur "Goethe am Meer" (ehemals im Eberlein- Museum Hann. Münden, seit 1975 in der Alten Nationalgalerie Berlin), - eine plastische Aufnahme des Gemäldes von J.H.W. Tischbein "Goethe in der Campagna".

Dem zweiten Entwurf, nach dem das Goethe-Denkmal ausgeführt wurde, liegt ein geistreiches Konzept zugrunde:

Der junge Goethe, auf einem Kompositkapitell stehend, bildet die Zentralfigur über drei Nebengruppen am Sockel. Dieses sind vorn links
"Mignon und der Harfner" als Ausdruck der Kulturnation Italien und der lyrischen Dichtung, vorn rechts

 
"Iphigenie und Orest" als Ausdruck der Kulturnation Griechenland und der dramatischen Dichtung sowie auf der Rückseite
"Faust und Mephisto" als Ausdruck der Kulturnation Deutschland und der Philosophie. Eberlein hat versucht, über die Figur des Dichters hinaus nicht nur in Gestalten aus seinen Werken die Ursprünge für das Schaffen des Dichters, sondern auch noch die Vielseitigkeit Goethes transparent zu machen. Eberlein war die Gestaltung freigestellt; der Kaiser hat den Entwurf ohne Änderungswünsche angenommen. Das kam bei seinen Aufträgen nicht oft vor.

Abbildungen der Hauptfigur und der Nebengruppen, meist noch in der ursprünglichen Ton-Fassung, hat Eberlein in der Mappe "Das Goethe-Denkmal in Rom und andere neuere Werke" zusammengefaßt und 1904 veröffentlicht. Hierin ist auch seine Kolossalskulptur "Der sterbende Goethe – Mehr Licht!" enthalten, die 1905 als Gipsentwurf in der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen war.


Modell in Münden

Der 1,75 Meter hohe Modellentwurf zum Goethe-Denkmal in Gips, der von der Tonfassung abgegossen worden war und der die Vorlage für die fünffache Vergrößerung in Marmor bildete, hat sich aus dem Bestand des ehemaligen Eberlein-Museums in Hann. Münden erhalten. Es wurde zusammen mit einer Vielzahl anderer Werke im Bauschutt auf dem Dachgeschoß des Museums im Schloß gefunden und 1986 in die Restaurierungsmaßnahmen, die auf Veranlassung und mit Hilfe der Gustav-Eberlein-Forschung e.V. durchgeführt wurden, einbezogen. Ergänzt wurden der Kopf des Goethe und des Mephisto, die "verloren" gegangen waren.

 


Seitdem wurde das Modell in mehreren Ausstellungen gezeigt: 1989 in der "Eberlein-Sonderausstellung" im Landesmuseum Hannover, 1990 in "Ethos und Pathos - Die Berliner Bildhauerschule 1786 - 1914" in Berlin, 1997 in der "Eberlein-Sonderausstellung" in Hann. Münden und 1999 im Theater Wolfsburg anläßlich der Goethe- Festlichkeiten des Italienischen Kulturinstituts. Gegenwärtig hat man es im Bauhof der Stadt Hann. Münden abgestellt. Es wäre eine Attraktion in einem Goethe-Museum.

Quelle
Eberlein: Das Goethe Monument ...

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