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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

         

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DENKMALPFLEGE / OBJEKTERNEUERUNG / KUNSTGESCHICHTE

Prof. Dipl.-Ing. Rolf Grimm (Veröffentlichung in: spectrum, FH Hannover)
Restaurierung von Skulpturen des Bildhauers GUSTAV HEINRICH EBERLEIN
(1847 Spiekershausen bei Hann. Münden - 1926 Berlin)

Im Zusammenhang mit den im Fachbereich Architektur der Fachhochschule Hannover vertretenen Fächern "Bau- und Siedlungsgeschichte", "Kunstgeschichte", "Objekterneuerung" und "Ortserneuerung / Denkmalpflege" entstand ein Forschungsprojekt, das vom Verfasser seit 1983 in ehrenamtlicher Arbeit wissenschaftlich betreut wird. Es handelt sich um die Restaurierung von zerschlagenen Skulpturen und beschädigten Gemälden sowie um den Schutz von Grabmalen und Denkmälern des Bildhauers und Malers Gustav Eberlein, einem Hauptvertreter des preussischen Historismus im Umfeld der Berliner Bildhauerschule.

Museum Han. Münden, Kopf FragmentFargemente von Skulpturen auf dem Dachboden, 1960

Museum Hann. Münden, 1983                    Rest von im Jahre 1960 zerschlagenen Gipsoriginalen (Fußbodenpacklage)

Während ein grosser Teil der Bauplastik dieses Künstlers in den 50-er Jahren nach Beendigung des 2. Weltkrieges zusammen mit den Fassaden der Gebäude, u.a. der Technischen Hochschule, des Alten Kriminalgerichts.
Ebenso gelang es dem Verfasser, den zuständigen Senator und den Landeskonservator in Berlin mit "massivem Druck" auch durch Presse und Fernsehen dazu zu bewegen, als erste Massnahme das imposante, 1903 von Eberlein geschaffene Richard-Wagner-Denkmal im Tiergarten mit einem Schutzdach versehen zu lassen sowie mehrere Grabmale durch eine Spezialbehandlung zu retten.

Wagner Denkmal in Berlin vor der RestaurierungWagner Denkmal mit Haube

               Zustand 1983                  Richard-Wagner-Denkmal, Berlin,
                                                       Überdachung 1987

Restaurierung der Werke im Museum Hann. Münden

Es handelt sich um den Restbestand des 1898 eröffneten "Eberlein- und Altertümermuseums zu Münden", das noch 1937 über 200 teilweise lebensgrosse Gips-Originalskulpturen, nach denen die Bronzegüsse und Marmorfassungen entstanden, sowie eine Vielzahl von Gemälden enthielt. Von den noch nach dem 2. Weltkrieg vorhandenen Werken Eberleins wurden etwa 140 Skulpturen 1960 auf dem Dachboden des Museums Münden zu einer Fussbodenpacklage verarbeitet.Ein anderer Teil kam in eine Müllgrube.Weitere Skulpturen wurden 1968 bei dem Abriss einer Zellulosefabrik, in die sie ausgelagert waren, mit eingeebnet.In einem Bretterverschlag verdarben "unter Aufsicht" des damaligen Museumsleiters elf Gemälde.Weitere verschwanden.
Noch 1968 warf man die in der Kirche seines Heimatdorfes Spiekershausen stehende Gruppe "Christus segnet die Kinder" auf Betreiben des damaligen Pfarrers 1968 in den Abfall.

Christus segnet die Kinder Reste der Skulptur im Eimer

Chrisus segnet die Kinder 1899, Reste der Skulptur in Zinkwannen, erst 1968 in Spiekershausen zerschlagen

In dieser Situation fanden sich 1982 unter Vorsitz des Verfassers rd. 40 Interessierte zu einem eingetragenen, wegen seiner Forschungsaufgaben vom Finanzamt Göttingen als besonders förderungswürdig anerkannten gemeinnützigen Verein, der Gustav-Eberlein-Forschung e.V., zusammen.
Die Stadt Hann. Münden, der Landkreis Göttingen, das Land Niedersachsen und der Bund konnten motiviert werden, bis Ende 1991 aus der Fussbodenpacklage 69 teilweise lebensgrosse Skulpturen sowie 10 Gemälde mit Hilfe des Kulturellen Zonenrandförderungs-Programms (Bildhauer; Gemälderestaurator) und zwei ABM-Kräften (Kunsthistorikerin, Bildhauer; jeweils 2 Jahre) unter der Leitung des Verfassers zu restaurieren. Weitere Werke sind zur Wiederherstellung vorbereitet. Die eingesetzten Bildhauer waren Absolventen der Fachhochschule Hannover (Erhard Joseph, Bernd Eger).

Adam und Eva vor der RestaurierungNach der Restaurierung

Restaurierungsphase 1985            Adam und Eva am Ende ihres Lebens
                                               Gipsoriginal 1898

Hinsichtlich der Arbeitstechniken wird auf die Veröffentlichung in "Berichte zur Niedersächsischen Denkmalpflege" (Heft 2/1985) sowie in "NIEDERSACHSEN" (Heft Nov. 1989) verwiesen

Mit Hilfe der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Kreis- und Stadtsparkasse Münden gelang es in Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Dr. Arndt, Universität Göttingen, und Herr Prof. Dr. Herzog, Kassel, das in der Grossen Berliner Kunstausstellung 1900 gezeigte und von 1905 bis mindestens 1937 im Museum Münden präsentierte Kolossalgemälde "Die Macht des Meeres" (3x7 m), das infolge einer barbarischen Lagerung nahezu verloren schien, restaurieren zu lassen und Ende August 1989 der Öffentlichkeit wieder zu übergeben. Die Volksbank Münden hatte schon 1983 auf Anraten des Verfassers eine kostbare Bronzegruppe ersteigert und sie dem Museum Münden geschenkt.

Grimm/Eger 1986 mit zerstörten SkultpturenEva am Grab Abels, überlebensgroße restaurierte SkulpturGipsfragmente

                                                        Rolf Grimm / Bernd Eger 1986                        Eva an der Leiche Abels, 1899, überlebensgroß, restauriertes Gipsoriginal

 

Die Bemühungen um die Rettung des Eberlein-Nachlasses, die sich nicht nur auf Münden beschränken, wurden in der Roten Mappe 1988 des Nieders. Heimatbundes dargelegt. In der Weissen Mappe ist die Absichtserklärung des Landes enthalten, sich im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel um eine abschliessende finanzielle Unterstützung für die Restaurierung
Die Restaurierungsarbeiten wurden wesentlich dadurch erleichtert, dass der Verfasser 1983 das Werkverzeichnis des Bildhauers, Malers und Dichters Gustav Eberlein veröffentlicht hatte. Dieses enthält Werke der Bildhauerei (rd. 650 Werke der Klein-und Kolossalplastik), der Malerei (rd. 300 Gemälde) und Dichtung (rd. 200 Gedichte, dazu umfangreiche Prosa). Erst mit Hilfe der rd. 650 Abbildungen gelang es, die in der Fussbodenpacklage gefundenen Scherben einander zuzuordnen und zusammenzusetzen.

Bismarck in ScherbenRestaurator Erhard Joseph, Bildhauer und Maler

                      Bismarck in Trümmern                                                         Restaurator Erhard Joseph, Bildhauer und Maler

Illustrierte Zeitung von 1896 mit Bismarck SkulturBismarck 1996 im Deutschen Historischen Museum in Berlin

Berlin, 27. Juni 1896 - Illustrirte Zeitung -

Berlin, 1996 - Deutsches Historisches Museum -
Dauerleihgabe der Stadt Hann. Münden

Schutz von Denkmälern Eberleins vor dem Verfall

Gerettet wurden auf Druck des Verfassers seit 1985 das von Eberlein geschaffene Richard-Wagner-Denkmal (Vorentwürfe für die Denkmalsüberdachung: Verfasser; Entwurfsausführung: Architektin Dipl.-Ing. Marianne Wagner) sowie mehrere Grabmale in Berlin.

Zur Zeit wird ein Restaurierungs-Aktionsprogramm erarbeitet, nach dem alle im Freien stehenden Denkmäler und Grabmale Eberleins untersucht und den Verantwortlichen Wege zu einer Restaurierung vorgeschlagen werden sollen. Neben den durch den "Sauren Regen" stark geschädigten Marmor- und Sandsteinskulpturen gilt die besondere Sorge den Bronzedenkmälern, deren inneres Stützgerippe in der Regel nahezu verrostet ist und deren Oberfläche in den letzten Jahren besonders stark gelitten hat. Mit dem Goethe-Museum in Düsseldorf und dem Goethe-Institut in Rom sind Verbindungen geknüpft, um den Marmor des Goethedenkmals auf dem Pincio in Rom zu erneuern.

 

Zusammenarbeit der Gustav-Eberlein-Forschung e.V. mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.


Die Gustav-Eberlein-Forschung e.V. ist Mitglied des Niedersächsischen Heimatbundes, Hannover, sowie der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Kassel. Eine Zusammenarbeit besteht mit der Skulpturengalerie Preussischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem (Prof. Bloch), der Nationalgalerie (Berlin-Ost) , dem Schinkelmuseum (Berlin), dem Nieders. Institut für Denkmalpflege, Hannover, mit den Professoren Dr. Arndt, Göttingen, und Dr. Springer, Oldenburg, sowie mit verschiedenen Museen und Privatperonen, welche Werke Eberleins besitzen. Mehrere Kunsthistoriker, welche über Bildhauer des 19. Jahrhunderts promoviert haben, stehen mit dem Verfasser in Verbindung.

Innerhalb der Fachhochschule wurde mit Herrn Prof. Dr. Glashoff (Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen) anhand des Werkverzeichnisses von Eberlein im Rahmen einer Diplomarbeit ein "EDV-Muster-Werkverzeichnis" erstellt. Dieses kann ein Vorbild für weitere EDV-Verzeichnisse sein sowie Verknüpfungen von Werkverzeichnissen untereinander zulassen

Folge der Forschungsarbeiten


Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse wurden in Sonderausstellungen Werke Eberleins in den letzten Jahren in Berlin (mehrfach), in Aachen, Bad Godesberg, Bottrop, Göttingen, Hannover, Hann. Münden, Nürnberg und auf Schloss Cappenberg gezeigt. Eine viermonatige Sonderausstellung im Herbst 1989 über Gustav Eberlein im Landesmuseum Hannover war gut besucht. Sie wurde durchgeführt von Herrn Dr. Gmelin, Landesmuseum, und vom Verfasser, der mehrere Leihgaben zur Verfügung stellte. Im Sommer 1990 waren in der Ausstellung "Ethos und Pathos - Berliner Skulpturen von 1786 bis 1914" zehn Skulpturen Eberleins zu sehen.

Zu betreuende Werke Eberleins


Von den wenigen noch vorhandenen Werken des Künstlers Eberlein sind in erster Linie die Denkmäler zu nennen :

Goethe-Denkmal in Rom, Richard Wagner-Denkmal und Lortzing-Denkmal im Berliner Tiergarten, Nationaldenkmal Argentiniens in Buenos Aires, vier weitere Denkmäler in Buenos Aires, Kolossalbrunnen "Deutscher Brunnen" in Santiago de Chile; Skulpturen, Grabmale und Bauplastik in Bonn, Hamburg, Krefeld, Rheydt, Wiesbaden, Königstein/Ts., Berlin (Lapidarium, Spandau, Anhalter Bahnhof, Reichstag, Theater des Westens), Nürnberg; Reiterdenkmäler in Coburg, Geislingen/Stge. und Hamburg (Rathaus Altona).
Neben zahlreichen Skulpturen in Privathand befinden sich Werke in den Museen von Berlin (Skulpturengalerie 5, Nationalgalerie 3), Oldenburg (2), Buenos Aires (Nationalmuseum 5), Kiel (2), Hanau, Bochum, Weimar, Coburg und Wuppertal. In Hann. Münden können im Museum 12 Werke Eberleins besichtigt werden. Für die Ausstellung weiterer Werke fehlen die Voraussetzungen. In der Stadt befinden sich darüber hinaus acht Skulpturen bzw. Reliefs von der Hand Eberleins (Gottvater-Marmorgruppe am Schlesierplatz, drei Skulpturen-Bronzemodelle an der Aussenwand der Natermannschen Fabrik, zwei Reliefs an der Weserliedanlage, Kruzifix in der Hauptkirche St.Blasien, Kolossalrelief im Tillyschanzenturm).

Bloch, Peter:

Gustav Eberlein -- Grösse und Grenzen eines Bildhauers in Wilhelminischer Zeit, Hann. Münden 1984, Sydekum-Schriften Nr.12

Grimm, Rolf:

Gustav Eberlein -- Werkverzeichnis, Hemmingen 1983, Grimm-Verlag, ISBN 3-9800823-0-X

Grimm, Rolf:

Zum Schicksal des Werkes eines Künstlers des Historismus, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Heft 2/1985,S.64 ff

Grimm, Rolf:

Argentina y el escultor Gustav Heinrich Eberlein, in Zusammenarbeit mit der Nds. Staatskanzlei, 1987

Grimm, Rolf:

Gustav Heinrich Eberlein - Zum Schicksal seiner Werke, in: NIEDERSACHSEN. Heft Nov. 1989, S. 258 ff

Hoffmann, Ute:

Christliche Themen im skulpturalen Werk Eberleins; (Magisterarbeit, Uni Göttingen 1982, nicht veröffentl.)

Hoffmann, Ute:

Gustav Eberlein -- Werke im Raum Münden-Göttingen, Hann.
Münden 1984, ISBN 3-9800986-0-5

Kaerger, Günther:

Gustav Eberlein --Biografie, Hann. Münden 1983, Sydekum-Schriften Nr.10

Pätzold, Gabriele:

Gustav Eberlein - Leben und Werk eines Bildhauers im Wilhelminischen Berlin unter besonderer Berücksichtigung seines öffentlichen Schaffens, Diss., Berlin 1995

Rosenberg, Adolf:

Monografie Eberlein, Bielefeld-Leipzig, 1903

Voigt, E.:

Führer durch das Städtische Museum Münden (Eberlein- und Altertümermuseum), Hann.Münden 1905 und 1931, Nachdruck Grimm-Verlag, Hemmingen 1986

Bismarck im Eimer