head 

Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

css3 button generator by Css3Menu.com

email_Link buttonDrucken 

 

Es lassen sich SCHAFFENSPERIODEN, die zugleich STILPERIODEN sind, erkennen.

Hier ist es bei Berücksichtigung der Tatsache, dass die Stellung des Künstlers, besonders des Bildhauers, in jener Zeit noch mehr vom Auftraggeber abhängig war als heute, interessant zu beobachten, ob einem Werk ein bezahlter Auftrag zugrunde lag oder ob es Eberlein "für sich" schuf.

P E R I O D E N
(1870 Ende des Studiums in Nürnberg; ab 1884 "selbständig" in Berlin)

1918 - 1926
Das Kunstschaffen dieser Periode scheint eher ein Problem der Persönlichkeit Eberleins, als ein Problem seines (technischen) Könnens zu sein. Die Darstellung Lassalles, Engels, Bebels und Marx (226,512-514) zugleich mit der des "Kaisers im Exil" (184) war nach dem bisher geschilderten Weg Eberleins kein künstlerisches Problem. Allein schon die Thematik musste ihn für Auftraggeber - egal welcher Richtung - zumindest uninteressant machen.

Eine "Flucht in mehr Abstraktion", d.h. ein bewusstes Weggehen von dem Problem "Thematik" hin zu einer unverfänglichen "Stilform", wäre für Eberlein - nicht erst nach Ende des 1. Weltkrieges - nach Ansicht des Verfassers ein Weg zu einer Anerkennung auch dieser Periode seines Schaffens in der heutigen Zeit gewesen. Allein hierfür war er durch seine bisherige künstlerische Bahn nicht vorgeprägt, bedingt auch durch die Herkunft und Schulbildung, der abstraktes Denken sicher nicht nahe lag, - nicht zuletzt auch durch sein hohes Alter.

So könnte - vorsichtig formuliert - der Entwurf zu der "Siegessäule des Films", gekrönt von Asta Nielsen (227), eher als ein "Zurückwünschen der Jugend", die Darstellung der "Stillenden Mutter! (279) als eine Regung der Rührung bei der Geburt des Sohnes Anziano der angenommenen Tochter und die Schaffung des letzten, eindrucksvollen Kruzifixes (66) als ein "Sich-Ergeben in die Zwangsläufigkeit des Schicksals" gewertet werden.

Diese Ansicht wird durch einen späten, erschütternden Brief des 79-jährigen Eberlein an einen Freund in Hann. Münden durchaus belegt. Besonders diese Arbeiten Eberleins sind eigentlich nicht mehr als "Kunstwerke", sondern nur noch als Lebensäußerungen zu verstehen, die sich weitgehend der Beurteilung des Kunsthistorikers entziehen.

Der Autor schließt sich der Meinung derer an, die sagen, man solle Prof. Gustav Eberlein als Künstler nach seinen besten Werken beurteilen (Anm.: Meine zu einseitige Sicht von 1983 vertrete ich heute so nicht mehr. Gerade im Abwägen der Werke vor dem Hintergrund des Entstehens und in der Vielschichtigkeit, die besonders in seinem viel zu wenig beachteten schriftstellerischen Werk zu erkennen ist, liegt der Reiz. Prof. Dr. Peter Bloch benutzt in seiner Veröffentlichung "Gustav Eberlein - Größe und Grenzen eines Bildhauers in Wilhelminischer Zeit" diese "Methode" (siehe Literaturverzeichnis).

Drucken_PDF