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Bildhauer, Maler und Poet - Gustav Eberlein Forschung - private Homepage von Prof. Rolf Grimm

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Es lassen sich SCHAFFENSPERIODEN, die zugleich STILPERIODEN sind, erkennen.

Hier ist es bei Berücksichtigung der Tatsache, dass die Stellung des Künstlers, besonders des Bildhauers, in jener Zeit noch mehr vom Auftraggeber abhängig war als heute, interessant zu beobachten, ob einem Werk ein bezahlter Auftrag zugrunde lag oder ob es Eberlein "für sich" schuf.

P E R I O D E N
(1870 Ende des Studiums in Nürnberg; ab 1884 "selbständig" in Berlin)

1895 - 1900
Das Oeuvre dieser Periode - künstlerisch wohl die entscheidendste für Eberlein - ist weitgehend nicht von finanziellen Überlegungen abhängig. Er schafft die Mehrzahl der Werke ohne Auftrag.
Geprägt ist diese Periode von der Darstellung christlicher Themen, - auch in der Malerei. Werke, wie der "Adam-Eva-Zyklus", sind gekennzeichnet durch eine schonungslose naturalistische Darstellung des Menschen, die einem "Expressionismus" nahe kommt. Sie geht nach Ansicht des Verfassers "in Teilen" über Rodin und Meunier hinaus.
Die Gruppen "Adam und Eva am Ende ihres Lebens" (48) und der "Geist Bismarcks" (180) sind "schrecklich", - so erschreckend, dass 16 Werke aus der Großen Berliner Kunstausstellung 1900 auf höchste Weisung gegen den Protest - nicht nur der Berliner Architektenschaft - entfernt wurden. Zu diesen Werken gehört auch der Arbeiter-Studienkopf "Sackträger" (458).

Die Unruhe, von der Eberlein ergriffen sein musste, zeigt sich besonders in seinem schriftstellerischen Werk "Michelangelo nebst anderen Gedichten und Gedanken über die Kunst" (1902).
Neben nachdenklichen Betrachtungen, wie z.B. über die "Ewigkeit von Kunstwerken" (S.92), "Vergangene und zukünftige Kunst" (S.121) und "die Kunst des sterbenden Jahrhunderts" (S.190), sowie einem "Aufruf zum Frieden und gegen die Aufrüstung" (Stellungnahme zum Zarenmanifest; 1898; S.197) enthält der Band u.a. Zukunftsvisionen über die "Neugestaltung des gesellschaftlichen Lebens in Berlin" (S.109) und "Berlin nach 100 Jahren" (S.165).
Die Konfrontation Eberleins mit der staatlichen Kunstauffassung zeigt sich darin, dass er im März 1900 zu einem der Wortführer gegen die angestrebte staatliche Bevormundung, unbekleidete Aktmodelle zu verbieten bzw. die Darstellung des Nackten zu unterbinden, wird ("Lex Heinze"; S.113, 130, VIII; Spiegelartikel 1966 oder PDF). Hierbei hat er die gesamte Künstlerschaft Berlins hinter sich.

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